ANGELFISCHERVERBAND IM
LANDESFISCHEREIVERBAND WESER-EMS E.V.
02.12.2025

Flachwasserzone und Stillgewässer in Listrup

Auf dieser Fläche wurde das Projekt umgesetzt.
Das Gelände in Listrup nahe der Ems.

Südlich der Gemeinde Emsbüren am Ortsrand von Listrup wurden nahe der Ems eine Flachwasserzone und ein Stillgewässer an einem bestehenden Graben angelegt. Dadurch wurden neue Lebensräume für bedrohte und geschützte Arten geschaffen und die ökologische Vielfalt des Flusssystems gefördert. Mit der Maßnahme wurde ein strukturreiches Nebengewässer entwickelt, das sowohl Fisch- und Amphibienarten als auch Insekten, Vögeln und einer vielfältigen Vegetation zugutekommt.

Projektziele

Mit der Maßnahme wurde die ökologische Aufwertung einer Fläche in unmittelbarer Nähe zur Ems angestrebt. Durch die Anlage einer Flachwasserzone und eines Stillgewässers soll die Lebensraumqualität für gefährdete und geschützte Fisch- und Amphibienarten erheblich verbessert werden. Besonders Arten, die auf strukturreiche Flachwasserbereiche angewiesen sind, erhalten dadurch dringend benötigte Laich- und Aufwuchshabitate. Kleine Stillgewässer sind zudem wichtige Trittsteinbiotope. Gleichzeitig werden die Voraussetzungen für die Entwicklung einer artenreichen semiaquatischen Flora und Fauna geschaffen, wozu auch die Förderung submerser Makrophyten durch eine geringe Gewässertrübung beiträgt. Darüber hinaus entstehen durch die Gestaltung strukturreicher Uferbereiche wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und weitere Arten. Insgesamt trägt das Vorhaben dazu bei, die ökologische Funktionalität der Ems-Niederung zu stärken und die biologische Vielfalt in der Region langfristig zu fördern.

Grund der Maßnahme

Regional sind zunehmend artenreiche Flachwasser- und Stillgewässerlebensräume verloren gegangen. Zahlreiche Tierarten sind dadurch in ihrem Bestand gefährdet. Besonders betroffen ist die Quappe (Lota lota), eine stark gefährdete Fischart, die ohne flache, strukturreiche Gewässer mit direkter Anbindung an Flusssysteme keine geeigneten Fortpflanzungs- und Entwicklungsbedingungen vorfindet.
Auch Amphibien profitieren stark von den Flachwasserzonen. Arten wie der Grasfrosch (Rana temporaria) oder der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) nutzen die flachen Gewässer zur Fortpflanzung, da sie dort ideale Bedingungen für die Eiablage und die Entwicklung der Larven finden, ohne von größeren Fischen gefressen zu werden. Gleichzeitig bieten die Uferbereiche und Schlammflächen Lebensraum für verschiedene Insektenarten, darunter Libellen wie die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) und seltene Wiesen- oder Wasserinsekten, die auf feuchte, offene Lebensräume angewiesen sind. Durch die leichte Hanglage entstehen mögliche Nistplätze für die Uferschwalbe (Riparia riparia) oder den Eisvogel (Alcedo atthis).

Durch die Herstellung zusätzlicher Gewässerstrukturen entstehen gute Laich- und Aufwuchshabitate für Jungfische. Das fördert die Biodiversität innerhalb des Flusssystems und sichert das Überleben vieler spezialisierter Arten, die an den über langen Strecken monotonen Ufern der Ems sonst keinen Lebensraum finden würden.



Das neue Gewässer nimmt Gestalt an.

Baggerarbeiten in Listrup kurz nach Sonnenaufgang.

Auf dieser Fläche wurde das Projekt umgesetzt.

Planung

Die Umsetzung des Projekts umfasste die naturnahe Herstellung und Gestaltung einer Flachwasserzone mit einer Gesamtfläche von 622 Quadratmeter und einer Tiefe zwischen 0,5 und 1,5 Meter sowie eines Stillgewässers mit einer Größe von 133 Quadratmeter und einer maximalen Tiefe von 1,2 Meter. In den Randbereichen wurden die Uferzonen auf Tiefen von 0,1 bis 0,4 Meter reduziert, um flache, strukturreiche Übergangsbereiche zu schaffen. Unterschiedlich geneigte Ufer sorgen für Wasserwechselzonen und eine hohe strukturelle Vielfalt.
Die Planung und Umsetzung erfolgten in enger Abstimmung mit den Fachbiologen des Angelfischerverbands im Landesfischereiverband Weser-Ems e.V. sowie unter Berücksichtigung der lokalen hydrologischen und geologischen Gegebenheiten.
Nach Abschluss der Arbeiten übernahm der Genehmigungsinhaber die Unterhaltungspflicht. Zudem wird der Landesfischereiverband Weser-Ems e.V. die Maßnahme dauerhaft ökologisch begleiten und regelmäßig überprüfen, inwieweit die gesetzten Ziele erreicht werden und ob Anpassungen erforderlich sind.

Förderung des Ehrenamtes

Besonders die Mitglieder des Sportfischereivereins Salzbergen e.V. übernehmen eine wichtige Rolle bei der ökologischen Begleitung nach Abschluss der Baumaßnahmen. Dazu gehören unter anderem regelmäßige Begehungen sowie die Kontrolle der Wasserqualität in einfacher Form. Durch ihr Fachwissen und ihre enge Verbindung zur Gewässerlandschaft sind die Vereinsmitglieder in besonderer Weise geeignet, den langfristigen Erfolg des Projektes zu sichern. Gleichzeitig wird so das ehrenamtliche Engagement vor Ort gestärkt und die Identifikation des Vereins mit dem angelegten Kleingewässern weiter gefördert.

Das Projekt ist auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die geschaffenen Gewässerstrukturen sichern dauerhaft wertvolle Lebensräume für Fisch-, Amphibien- und Insektenarten und tragen so zur langfristigen Förderung der biologischen Vielfalt bei. Durch die Anbindung an die Ems erfüllt das Seitengewässer eine wichtige Funktion als Laichgewässer und stärk somit die Fischpopulation in der Ems.
Die enge Einbindung ehrenamtlicher Strukturen durch den Sportfischereiverein Salzbergen fördert Verantwortungsbewusstsein und schafft Identifikation mit der Maßnahme, wodurch gleichzeitig ein Beitrag zur Umweltbildung und zum gesellschaftlichen Engagement geleistet wird. Dadurch entsteht eine dauerhafte Verankerung des Projektes in der Region, die nicht nur ökologische, sondern auch gesellschaftliche Nachhaltigkeit gewährleistet.

Sportfischereiverein Salzbergen

Der Sportfischereiverein Salzbergen 1929 e.V. verfolgt seit seiner Gründung das Ziel, die Ausübung der Fischerei eng mit dem Natur- und Umweltschutz zu verbinden. Schwerpunkte sind der Erhalt und die Wiederbelebung verschiedener Gewässerlebensräume, die Wiederansiedlung großer Wandersalmoniden wie Lachs (Salmo salar) und Meerforelle (Salmo trutta) sowie die Bestandsstützung bedrohter Arten wie dem Aal (Anguilla anguilla). Darüber hinaus führt der Verein regelmäßig Revitalisierungs- und Renaturierungsmaßnahmen durch, die entscheidend zum regionalen Arten- und Biotopschutz beitragen.

Das Vereinsleben ist geprägt durch ein starkes ehrenamtliches Engagement. Arbeitseinsätze an und in den Gewässern erfolgen auf freiwilliger Basis und schaffen eine hohe Identifikation der Mitglieder mit den Zielen des Vereins. Neben der Pflege und Bewirtschaftung von Gewässern organisiert der Verein regelmäßig Veranstaltungen wie gemeinschaftliche Angeltage, Jugendprogramme und Informationsangebote, die der Umweltbildung ebenso dienen wie der Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Durch diese Einbindung wird gewährleistet, dass das Projekt fachlich fundiert begleitet wird, ökologische Entwicklungen beobachtet werden und die langfristige Pflege und Nachsorge durch ein erfahrenes ehrenamtliches Netzwerk gesichert ist. Dies unterstützt die erfolgreiche Erreichung der ökologischen, wasserwirtschaftlichen und landschaftlichen Zielsetzungen des Projekts.