Erste Sitzung der Ochtum-Stiftung
18.12.2025
Die Stiftung „Natur- und Gewässerlandschaft Ochtum“ wurde gemeinsam vom Flughafen Bremen mit dem Angelfischerverband Weser-Ems sowie dem Sportfischerverein Bremen-Stuhr und dem Fischereiverein Delmenhorst ins Leben gerufen, um die Gewässer und Landschaft im Bereich der Ochtum zu fördern und biologisch aufzuwerten. Zu diesem Zweck wurden der Stiftung vom Flughafen finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt.
Nach der formalen Gründung der Stiftung im Sommer dieses Jahres fand am 17. Dezember im Vereinsheim des FV Delmenhorst die konstituierende Sitzung statt. Neben der personellen Gestaltung der Stiftungsgremien stand die Besprechung von möglichen Renaturierungprojekten im Bereich der Ochtum auf dem Programm. Thematisiert wurden beispielsweise ein Seitenarm-Projekt an der Hasberger Aue und eine Maßnahme am Stuhrer Graben. Über diese und weitere denkbare Maßnahmen wird man sich näher austauschen, so dass im kommenden Jahr die ersten Vorhaben konkretisierte werden können.
Hintergrund:
Seit 2019 liefen die Verhandlungen zwischen dem Angelfischerverband Weser-Ems und dem Bremer Flughafen. In jenem Jahr wurde behördlicherseits von dem Verzehr von Fischen aus der Grollander Ochtum sowie den stromabwärts gelegenen Abschnitten der Ochtum abgeraten. Ein Zusammenhang mit der Einleitung von Löschwasser vom Flughafengelände war unstrittig. Weit weniger klar war dagegen, wer genau dafür die Verantwortung trägt und zu welchen Konsequenzen das führen kann.
Fraglich war insbesondere, inwieweit den betroffenen Fischereivereinen ein ersatzfähiger Schaden entstanden war. Umso höher ist es dem Airport Bremen anzurechnen, dass man sich zu einer Verantwortung gegenüber der Natur und zu einem Einsatz für den Umweltschutz bekennt und einen großzügigen Betrag für die Stiftung zur Verfügung gestellt hat.
Diese wohlwollende Haltung ist keineswegs selbstverständlich. Es gibt vergleichbare Fälle aus anderen deutschen Städten, in denen sich Flughäfen hartnäckig dagegen gewehrt haben, sich am Ausgleich für entstandene Umweltschäden zu beteiligen.
Der Flughafen Bremen zeigt, dass es auch anders geht, nämlich mit der Übernahme von Verantwortung und der Bereitstellung von finanziellen Mitteln für die Natur. Und dabei soll es nicht einmal bleiben, denn es wurde von Seiten des Flughafens großes Interesse an den Naturschutzmaßnahmen bekundet und weitere Unterstützung der Projekte in Aussicht gestellt.
Dass die harmonische Einigung der Parteien etwas Besonderes darstellt, bestätigte die mit dem Fall beauftragte Anwaltskanzlei. „Solch eine Einigung gibt es nur sehr selten“, betonte der Rechtsanwalt Dr. Klaus Rentsch, der sich juristisch mit dem Fall befasste.
Die erzielte Einigung könnte allerdings Hoffnungen machen, dass solch eine konstruktive Lösung, von der letztlich alle Seiten, vor allem aber die für uns alle wichtige Umwelt profitieren, keine ausgesprochene Seltenheit bleibt. Denn das Ergebnis der Verhandlungen zeigt nicht nur, dass man selbst schwierige Angelegenheiten zwischen Konfliktparteien einvernehmlich erklären kann, es liefert auch ein Beispiel dafür, wie sich ein Streitfall in eine längerfristige positive Kooperation verwandeln lässt.
Der Präsident des Angelfischerverbandes Weser-Ems, Heinz Gräßner, ist guter Dinge angesichts der Stiftungsgründung: „Die Ochtum wird in Zukunft sicher nicht mehr durch eine Gewässerverschmutzung im Bewusstsein der Öffentlichkeit stehen, sondern vielmehr durch die Maßnahmen zum Schutz, zur Renaturierung und zur Verbesserung der Gewässerqualität.“ Der Verband habe in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Gewässerrenaturierungen durchgeführt und sei bestens darauf vorbereitet, nun mit den örtlichen Vereinen Maßnahmen zur biologischen Aufwertung der Ochtumregion durchzuführen.
Über die regionale Bedeutung hinaus hoffen die Beteiligten, dass die Stiftungsgründung und die damit verbundene Einigung aller Beteiligten, Modellcharakter für ähnlich gelagerte Fälle haben kann. Im Bewusstsein, dass Natur und Umwelt über uns allen stehen und wichtiger sind als jeder einzelne, mögen sich auch andere Konfliktparteien zusammenfinden, um zu Lösungen zu gelangen, die für alle sinnvoll und förderlich sind. Eine Umweltstiftung kann mit ihren Taten noch lange Gutes schaffen, nachdem der Schaden schon lange in Vergessenheit geraten ist.
