Verbandstag 2026 - viel Lob aus der Politik
19.04.2026
Der Verbandstag des Angelfischerverbandes Weser-Ems fand anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Angel- und Naturschutzvereins Wilhelmshaven am 18. April im Gorch-Fock-Haus in Wilhelmshaven statt. Als Präsident des Verbandes und Vorsitzender des Vereins begrüßte Heinz Gräßner die Teilnehmer und insbesondere die Ehrengäste und die Referentin des Festvortrags.
Die Reihe der Grußworte eröffnete der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, Carsten Feist, der sich selber als langjähriges Mitglied des Wilhelmshavener Angelvereins zu erkennen gab. Er wies auf die hohe Zahl von Anglern und Angelvereinen in Niedersachsen hin und betonte deren große Bedeutung für die Bewirtschaftung und Pflege von zahlreichen Gewässern. Den Vereinen sei der Natur- und Artenschutz schließlich mindestens genauso wichtig wie der Fischfang. Angeln sei außerdem wichtig für die Verbindung der Generationen, da alle Altersgruppen angeln und über diese gemeinsame Aktivität zusammenkommen. Deshalb dankte er den Anglern für die viele geleistete Arbeit, ohne die es an vielen Gewässer nicht so gut aussehen würde.
Der Niedersächsische Umweltminister Christian Meyer sieht die Angler in seinem Amt als Partner im Gewässer- und Naturschutz. Er fand lobende Worte für das Kleingewässer-Projekt des Angelfischerverbandes, mit dem zahlreiche neue Gewässer und Biotope in Niedersachsen geschaffen werden. Es sei die Absicht seines Ministeriums, die Gewässer in Niedersachsen in einen besseren Zustand zu versetzen, und dafür bräuchte man dringend auch die Angler. Große Anerkennung zollte er den Anglern außerdem für deren Bildungsarbeit sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche, denn es sei eine umfangreiche Ausbildung erforderlich, um überhaupt angeln zu dürfen. Die Angler mit ihrem großen Wissen über die Gewässer und ihre Fische stellen für ihn immer einen wichtigen Ansprechpartner der Regierung dar.
Karin Logemann als Abgeordnete der SPD stimmte zu, dass die Angler wichtige Partner der Politik seien. Von dem hohen Engagement der Angler hätte sie sich im vergangenen Winter bei einem Monitoring der Wandersalmoniden überzeugt. Sie begleitete dabei Angler beim Fangen und Abstreifen von Meerforellen und besuchte das Bruthaus in Oldenburg, in dem die Eier der Wanderfische ausgebrütet werden. Angler würden den Naturschutz aktiv leben, wie sie mit ihrem Einsatz für Lachs und Meerforelle seit über vier Jahrzehnten zeigen. Auch in der Beratung, Planung und Umsetzung von Renaturierungsprojekten würden die Angler zeigen, dass ihr Einsatz weit über das Angeln hinausgeht. Niemand wüsste so genau wie die Angler, was die Gewässer und die Natur brauchen.
Die CDU-Abgeordnete Katharina Jensen lobte an erster Stelle die gute Jugendarbeit, die von Anglern geleistet wird. Die Zusammenarbeit der Generationen würde für einen wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen. Im Naturschutz würden die Angler sich für Biodiversität einsetzen und damit einen bedeutenden Beitrag für den Artenschutz leisten. Sie war ebenso wie ihre Kollegin von der SPD beim Monitoring der Wandersalmoniden dabei und zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Angler, für die bei ihr die Tür immer offen stünde für eine Zusammenarbeit.
Horst Kröber, Vizepräsident des Deutschen Angelfischerverbandes und Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe betonte, dass Angeln weit mehr sei als eine Freizeitbeschäftigung. Wichtige Aufgaben seien die Hege und Pflege der Fischbestände und der Gewässer, die Integration der Jugendlichen und die Vermittlung von Naturverständnis. Er erinnerte an die schon lange verbindende Zusammenarbeit der Verbände Westfalen und Lippe und Weser-Ems. Beide Verbände hätten ein gemeinsames Interesse an der Ems, der es nicht gut gehe und deren Zustand dringend verbessert werden müsste.
Manfred Tannen, Vizepräsident der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer, betonte in seinem Grußwort, dass die Fischerei ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaftskammer ist. Er wies darauf hin, dass es oft hohe bürokratische Hürden gäbe, wenn es um die Pflege und Renaturierung von Gewässern geht. Es sei lobenswert, dass sich die Angler davon nicht abschrecken lassen würden in ihrem Einsatz für Gewässer und Natur. Unter Hinweis auf die zunehmenden Auflagen durch die EU betonte er, dass es wichtig sei, Maßnahmen, Vorschriften und Verbote ständig zu kontrollieren und zu prüfen. Angler seinen Menschen in der Natur, auf die man beim Schutz der Natur vertrauen könnte.
Dirk Sander als Präsident des Verbandes der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei im Landesfischereiverband Weser-Ems erwähnte, dass der plötzliche gute Krabbenfang im vergangenen Jahr Hoffnung bei den Fischern weckte. Durch die hohen Treibstoffpreise würden die Gewinne aber gleich wieder aufgezehrt werden. Eine Belastung stellen auch die geplanten Gebietsabtretungen in der Nordsee dar, mit denen sich die Fanggebiete weiter verringern würden. Den Fischern würden immer mehr Gebiete weggenommen, bis sich die Arbeit irgendwann nicht mehr lohnen kann.
Heinz Gräßner ging kurz auf das 100-jährige Bestehen des Wilhelmshavener Angelvereins ein und erwähnte einige Stationen der langen Vereinsgeschichte. Anschließend gab er einen Überblick über die aktuellen Vereinsgewässer in und um Wilhelmshaven.
Im Anschluss an die Grußworte stellten Renko und Jarno Engels vom Fischereiverein Altes Amt Stickhausen ein Renaturierungsprojekt der Jugendgruppe des Vereins vor, bei dem sie mit Totholz für neue und zusätzliche Strukturen und Lebensräume in strukturarmen Gewässern sorgen. Wie schon im Vorjahr wurden sie dafür mit dem Naturschutzpreis des Angelfischerverbandes Weser-Ems ausgezeichnet.
In ihrem Festvortrag „25 Jahre WRRL – ein Blick auf die Gewässer in Niedersachsen aus Sicht der Fische“ stellte die Diplom-Biologin Eva Christine Mosch vom Dezernat Binnenfischerei / Fischereikundlicher Dienst die Situation der Gewässer in Niedersachsen dar. Für die Gewässer wir nach verschiedenen Parametern ein Soll- und ein Ist-Zustand definiert. Dabei spielen sowohl chemisch-physikalische Eigenschaften eine Rolle als auch Fischbestände nach Arten, Artenzusammensetzung und Altersklassen.
Insgesamt kann nur für knapp 10 Prozent der Gewässer in Niedersachsen ein guter Zustand attestiert werden. Der weit überwiegende Teil befindet sich dagegen in einem mäßig guten, unbefriedigenden oder schlechten Zustand. Die drei großen Estuare in Niedersachsen leiden unter Vertiefung, Ausbau und verstärkter Strömung, hinzu kommen zum Teil starke Trübung und schlechte Sauerstoffverhältnisse, die dafür sorgen, dass die Fische nicht in dem Umfang vorhanden sind, wie es sein sollte.
Im Binnenland gibt es nur wenige Ausnahmegewässer, in denen es den Fischen gutgeht. Vielen Gewässern fehlt es an Strukturen. Auffällig ist das an zahlreichen Fließgewässern, die eher einem Kanal gleichen als einem natürlichen Gewässer.
Zu den Faktoren, die zur Belastung der Gewässer beitragen, gehören zu hohe Wasserentnahmen, Einträge in die Gewässer, Versandung und Verockerung sowie Folgen des Klimawandels, durch die zu lange zu viel Wasser an den falschen Stellen steht und zu lange zu wenig Wasser dort ist, wo es sein sollte.
Ungenügende Gewässerrandstreifen führen zum Teil zu extremen stofflichen Belastungen. Hier gibt es bereits die erforderlichen Verordnungen. Es müsste aber konsequenter dafür gesorgt werden, dass diese auch eingehalten werden.
Querverbauungen stellen ein weiteres schwerwiegendes Problem für die Fischbestände dar. Eine Kartierung der Hindernisse in den Fließgewässern zeigt, dass die Fische von den Estuaren aus in der Regel nicht sehr weit ins Binnenland gelangen können.
Als Resümee hält die Referentin fest, dass man sehr wohl weiß, welche Maßnahmen zu treffen sind, dass die Wasserrahmenrichtline aber stärker beachtet und bei politischen Prozessen berücksichtigt werden muss.
Auf dem Foto von links: Heinz Gräßner, Karin Logemann, Christian Meyer, Manfred Tannen, Marten Gäde, Katharina Jensen
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