Winter-Quappen im Emsland
13.01.2026
Für den Laichfischfang befischten die Mitarbeiter der Fischereibiologischen Station Ems-Hase (FEH) bei Schnee und 0,7 Grad Wassertemperatur einen Bereich des Mersbachs. Der Zielfisch: die selten gewordene Quappe (Lota lota). Dabei konnten drei erwachsene Quappen gefangen werden, die zum Laichen und zur Aufzucht der befruchteten Eier in das Bruthaus des FV Lathen gebracht wurden.
Der Mersbach ist ein ca. 18 Kilometer langer, organisch geprägter Bach, der nördlich von Haren in die Ems mündet. Der Abschnitt des Mersbachs, der von der Fischereibiologischen Station Ems-Hase kartiert worden ist, befindet sich ca. 600 Meter vor einem Düker, der den Mersbach unter dem Haren-Rütenbrock-Kanal durchleitet. Bis zu diesem Bauwerk weist das Gewässer keine Wanderbarrieren auf. Im kartierten Abschnitt ist der Mersbach sehr stark begradigt, bietet jedoch durch überhängende terrestrische Pflanzen und unterspülte Ufer einige wertvolle Unterstände für Fische. Außerdem wurde 2017 eine Flachwasserzone nahe des Mündungsbereichs angelegt, die einer Vielzahl von Arten das Ablaichen und Aufwachsen ermöglicht.
Bereits im Frühjahr 2025 konnten auf diesem Abschnitt einige Exemplare des „Süßwasserdorsches“ nachgewiesen werden (Wir haben darüber berichtet).
Noch bis 1920 wurde die Quappe an der Ems sehr häufig gefangen, seit dem großen Ausbau der Ems in den 1930er Jahren ist die Quappenpopulation jedoch eingebrochen. Die heutige Bestandsdichte der Population in der Ems ist sehr niedrig und in der Roten Liste Niedersachsens wird die Quappe als „gefährdet“ kategorisiert.
Hinsichtlich ihrer Biologie bringt diese Fischart einige Besonderheiten mit sich: Während die meisten anderen heimischen Fischarten ihre Hauptaktivität im Sommer haben, sind adulte Quappen kaltstenotherme Fische (Fischarten, die auf niedrige Wassertemperaturen angewiesen sind). Sie bevorzugen Wassertemperaturen unter 12 Grad; längere Perioden, in denen die Wassertemperatur über 20 Grad liegt, können sich negativ auf die Bestände auswirken. Die überwiegende Winteraktivität ist eine Strategie zur Konkurrenzvermeidung, durch die niedrigeren Temperaturen entwickeln sich jedoch auch Eier und Larven langsamer. Zudem ist Deckung, wie aquatische Vegetation, zu dieser Jahreszeit nicht ausgeprägt. Es kommt zu einer natürlicherweise höheren Verlustrate (z.B. durch Prädation). Dies kompensiert die Quappe mit einer sehr hohen Eiproduktion: ca. 350.000 – 750.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht produziert ein Rogner (zum Vergleich: Brassen produziert durchschnittlich 100.000 bis 200.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht). Als Laichsubstrat werden dabei sandig-feinkiesige Substrate benötigt.
Die Quappe ist in allen Altersstadien stark auf bestimmte Habitate angewiesen. Während erwachsene Tiere sich an groben Strukturen, wie Totholz oder Steinen, in tieferem Wasser orientieren, sind Quappen-Larven auf Auengewässer angewiesen, die über einen längeren Zeitraum (ca. bis März) überflutet und mit dem Hauptlauf des Gewässers verbunden sind. Die Jungfische wachsen dann mit einer Größe von ca. 3 Zentimeter in Flachwasserbereichen der Fließgewässer weiter heran. Quappen weisen ein schnelles Wachstum auf und erreichen nach dem ersten Jahr eine Länge um die 20 Zentimeter. Maximallängen von 60 Zentimeter werden selten überschritten.
Für die Quappe ist insbesondere die Vernetzung von Hauptlauf und Auengewässern von zentraler Bedeutung.
Ob die Quappen zum Laichen in den Mersbach wandern oder sich dort dauerhaft aufhalten, ist nicht endgültig geklärt. Die 2017 entstandene Flachwasserzone wäre allerdings ein perfektes Aufwuchshabitat für die jungen Quappen, falls sie im Mersbach laichen. Wichtig ist, dass die noch bestehenden Bestände der Quappe ausreichend geschützt werden, ausreichend viele Strukturen wiederhergestellt werden, die den verschiedenen Lebensstadien der Quappe dienen und somit die Wiederansiedlung vorangetrieben wird. Die Fischereibiologische Station Ems-Hase wird die Bestände der Quappe im Gewässersystem von Ems und Hase weiterhin intensiv beobachten.
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