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Schilfinseln für den Plietenberger See

Den Kleinfischen im Plietenberger See bei Munderloh wird es bald noch besser gehen. Bereits im Frühjahr hat der Fischereiverein Wüsting an dem strukturarmen Gewässer an der A28 eine Flachwasserzone als Laichgebiet und Kinderstube für die Fische geschaffen. Als weitere Komfortzonen speziell für die kleinen Fische folgten nun zwei künstliche Schilfinseln mitten auf dem See. In dem bis zu 12 Meter tiefen Gewässer haben die kleinen Fische schließlich kaum natürliche Unterstände und sind damit ihren Fressfeinden nahezu schutzlos ausgeliefert. Das wird sich jetzt mit den Schildinseln ändern.

Mitglieder des Fischereivereins trafen sich am Morgen des 12. Mai mit dem Gewässerökologen Hubert Rietmann aus Coesfeld, der die Schilfinseln anlieferte. Die 2 mal 5 Meter großen Schwimmgestelle mussten am Seeufer erst einmal vollständig zusammengebaut werden. Danach konnten die für den Transport zusammengerollten Matten aus Wasserpflanzen darauf ausgebreitet werden.

Da die Insel auf dem Wasser schwimmt, befinden sich darauf nur Pflanzen, die mit frei im Wasser hängenden Wurzeln existieren und ihre Nahrung aufnehmen können. „Selbstverständlich handelt es sich ausschließlich um einheimische Arten“, betont Rietmann, der viele Jahre mit verschiedenen Gewächsen und Konstruktionen experimentiert hat. Zu diesen Pflanzen gehören beispielsweise Schilfrohr (Phragmites australis), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus) und Kalmus (Acorus Calamus).
Wenn sie erst im Wasser sind, werden sich die Pflanzen sehr schnell auf der Insel ausbreiten und in die Höhe wachsen. Aber auch unterhalb der Wasseroberfläche werden sie mit ihrem Wurzelwerk ein intensives Wachstum entfalten. Das Wurzelwerk wird dabei die Grundlage für eine vielfältige Lebensgemeinschaft auf Klein- und Kleinstlebewesen. Für Jungfische bieten sie damit nicht nur Schutz, sondern auch einen Lebensraum mit reichlich Nahrungsvorkommen.

Schutzfunktion haben die Inseln für die Kleinfische auch gegenüber dem Kormoran. Gerade in Gewässern ohne Hindernissen sind die Fische dem Kormoran schutzlos ausgeliefert. Das kann zu einem drastischen Schwund der Kleinfische führen, wie man schon in einigen Gewässern erfahren musste. Unter der Insel ist ein Netzgehege bis zum Gewässerboden gespannt, in dem die Kleinfische für die unter Wasser jagenden Vögel unerreichbar sind.

Der Gewässerwart Ralf Frank Böcker und seine ehrenamtlichen Helfer des FV Wüsting sind überzeugt von den Pflanzeninseln, die von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung finanziert wurden. Die Inseln werden in Zukunft sicher dazu beitragen, dass die verschiedenen Friedfisch- und Raubfischarten hier in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander leben.

Die Inseln bilden in dem See aber nicht nur einen neuen Lebensraum für Kleinfische, sie dienen darüber hinaus auch der Reinigung des Gewässers. Unter der Insel mit ihrer abgestimmten Pflanzenwelt entwickelt sich ein weit verzweigtes Wurzelsystem. Allein unter einem Quadratmeter Insel entstehen Wurzeln von über 100 Kilometer Länge. Das ergibt einen riesigen Siedlungsraum für Mikroorganismen, die von zentraler Bedeutung für die Selbsteinigung des Gewässers sind.

Die Schilfinseln von Hubert Rietmann haben sich schon in einigen Gewässer bewährt und sie dürften auch für andere Gewässerpächter interessant sein, die Probleme mit ihrem Bestand an Jung- und Kleinfischen haben. Informationen finden sich im Internet auf www.rietmann-oegi.de


 

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