Muschelfest in Norddeich mit Informationsveranstaltung

Am 17. August haben die Niedersächsischen Muschelfischer gemeinsam mit dem Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fischereiinteressierte Gäste zu einer Informationsveranstaltung rund um die Muschelfischerei eingeladen. In diesem Jahr wurde das Muschelfest in Norddeich durch die Fischereibetriebe der Familie Christoffers ausgerichtet, die bereits in der fünften Generation Miesmuscheln fischt.

Das Muschelfest hat eine lange Tradition. Die vier niedersächsischen Miesmuschelfischereibetriebe laden seit über 20 Jahren Politiker, Behörden, Forscher sowie all diejenigen ein, die an der Funktionsfähigkeit und dem Fortbestand dieses Wirtschaftszweiges beteiligt sind. Sie nutzen diese Veranstaltung, um vormittags im Haus des Gastes durch interessante Vorträge theoretisch und mit einer anschließenden Kutterausfahrt ihren Gästen dann in der Praxis die Muschelfischerei näher zu bringen. Natürlich werden auch Probleme dieses Wirtschaftszweiges angesprochen, so z.B. die umfangreichen Baggerarbeiten auf der Ems, die im letzten Jahr durch die zusätzliche Außenemsvertiefung der Niederländer zu erheblichen Beeinträchtigungen der Fanggebiete führte.  

Vormittags hat die Geschäftsführerin der Niedersächsischen Muschelfischer, Manuela Gubernator, in einem ersten Vortrag eine kurze Einführung in diese besondere Wirtschaftsform gegeben und den Verlauf der vergangenen Saison skizzieren.

Die Muschelfischer nennt man auch die "Bauern des Meeres", weil ihre Wirtschaftsform dem Ackerbau ähnelt. Sie stellt eine Kombination aus Wildmuschelfischerei und Kulturarbeit dar. Von natürlichen, neubesiedelten Muschelbänken im Wattenmeer oder von, in die Wassersäule ausgebrachtem künstlichem Anheftungssubstrat - den Saatmuschelanlagen - werden Jungmuscheln gewonnen. Diese werden dann auf optimal gelegenen Kulturflächen ausgebracht, wo sie in ein bis zwei Jahren zur „Konsumgröße“ heranwachsen und dann für den Verkauf geerntet werden. Die meisten Kulturen befinden sich im Mündungsbereich der Ems und der Jade.

Die letzte Muschelsaison war frustrierend: ein zu warmer März, ein zu kühler Sommer, viele starke auch sehr frühe Stürme (der erste am 7. Juni), die die Muscheln von den Kulturen abtrieben, keine neuen Saatmuschelansiedlung und auch die Saatmuschelanlagen wurden nur spärlich besiedelt. Durch die zahlreichen Sturmschäden konnte deutlich weniger als die erwartete Menge an Konsummuscheln verkauft werden.

Ab Juli starteten die Betriebe mit dem Verkauf, anfangs mit niedrigen Preisen, die im August noch anstiegen, da auch die Niederlande schwere Einbußen bei den Konsummuscheln durch die Stürme hatten. 2017 hat mit 3.817.000 Kilo zwar höhere Verkaufszahlen gebracht als die Vorjahre, aber es reicht nicht aus, um die Defizite der letzten Jahre auszugleichen. Seit 2011 wurden keine größeren Verkaufsmengen erzielt, die die Betriebskosten sowie Rücklagen ausgeglichen hätten.

Zum Jahresabschluss gab es dann umfangreiche Baggerarbeiten auf der Außenems, was zur Folge hatte, dass unendlich viel Sediment durch das Wasser verteilt wurde und dass die Fischer erneut die Muscheln auf andere Kulturen umlagern, also in Sicherheit bringen mussten. Viel Arbeit. Die Strandung des Frachters vor Langeoog im Oktober verdeutlichte, wie angreifbar dieses sensible Wattenmeergebiet, in dem die Fischer auf eine intakte Natur angewiesen sind, ist.

 

Hinzu kamen 2017 viele Gespräche mit den Umweltverbänden, um zu einer Einigung in Sachen Bewirtschaftungsplan zu kommen. Und auch die Rezertifizierung des MSC Nachhaltigkeitszertifikats, ist mit vielen Sitzungen, Dokumentationen und Berichtserstellung verbunden. So war 2017 ein schlechtes Fischereijahr – viel geredet, wenig gefischt!

Winny Adolph, Dipolm Biologin aus Wilhelmshaven berichtete in ihrem Vortrag von ihrer langjährigen Erfahrung über „20 Jahre Muschelmonitoring im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und die Rolle der Fernerkundung“. Das Muschelmonitoring nimmt eine zentrale Rolle bei der Bewirtschaftung des Muschelbestandes im Sinne einer nachhaltigen Nutzung ein.  

Dr. Gregor Scheiffarth, zuständig für Kommunikation und Forschung bei der Nationalparkverwaltung „Niedersächsisches Wattenmeer“, hat ein geplantes Projekt „zur Untersuchung von Verklappungen, Sedimentation und deren Auswirkungen auf Muschelbestände“ vorgestellt. Dieses wird auch in Zusammenarbeit mit den Muschelfischereibetrieben umgesetzt und hoffentlich langfristig zu einem verbesserten Sedimentmanagement im Küstenmeer führen.

Anschließend hatten interessierte Gäste die Möglichkeit, mit den Muschelfischern an Bord des Muschelkutters "Anna“ hinauszufahren zu einer Muschelkultur im Memmert Wattfahrwasser und die entscheidenden Fragen der Muschelfischerei zu diskutieren. Zugleicht bedankten sich die Fischer auf diesem Wege bei all denjenigen, die dazu beitragen, dass ihre Fischerei noch immer und weiterhin erfolgreich ausgeübt werden kann.

Zurück