Erfindung der Feldkläranlage zur Reinigung von Drainagewasser

Die einfachste Variante der Feldkläranlage (Foto: Henning Stilke)

Am 05. April 2019 präsentierten der Fischereiverein Wardenburg und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband eine Erfindung, die in Zukunft für weniger Schadstoffe in den Fließgewässern sorgen könnte und damit für verbesserte Lebensbedingungen in den Gewässern. Die Rede ist von der sogenannten Feldkläranlage, einem biologischen Reinigungssystem, das Anfang dieses Jahres patentiert wurde.

Der Entwickler dieser Anlage ist Werner Reumann vom FV Wardenburg, der seit vielen Jahren die Bemühungen seines Vereins aber auch anderer Vereine des LFV Weser-Ems um die Wiederansiedlung der Wandersalmoniden verfolgt. Was ihn dabei bewegt, ist der Umstand, dass zwar viel investiert wird für den Besatz der Fische und für die Anlage von Laichhabitaten, dass aber das Wasser, in dem die Fische ablaichen sollen, keine ausreichende Qualität hat, um die Entwicklung der Eier und das Aufwachsen der Jungfische zu gewährleisten.

Eine schwere Belastung der Gewässer geht von den Nitrateinträgen als Folge der landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen im Einzugsbereich der Gewässer aus. Hier anzusetzen und eine Reduzierung des Schadstoffeintrags zu erlangen, war das Ziel von Werner Reumann – wohlgemerkt ohne eine Schuldzuweisung an die Landwirte vorzunehmen. Als Gärtnermeister bringt er dabei das notwendige Verständnis mit, um zu erkennen, mit welchen Pflanzenarten er einen natürlichen Weg zum Abbau der Schadstoffe findet, bevor diese in das Gewässer gelangen können.

Nach jahrelangem Experimentieren mit Pflanzenarten, Substraten und Behältnissen gelang ihm die Entwicklung einer variablen Anlage aus großen Kübeln, den Klärbecken, durch die das belastete Wasser hindurchgeleitet wird. Dabei erfolgen eine Reduzierung des Stickstoff- und Phosphorgehaltes und eine Verminderung von Ocker.

Die Klärbecken sind mit sogenannten Repositionspflanzen bestückt, also Pflanzen, die der Renaturierung dienen. Bei diesen Pflanzen handelt es sich ausschließlich um einheimische Arten wie die Gelbe Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Schilfrohr (Phragmites) und Binse (Juncus inflexus), die sich durch einen hohen Verbrauch von Nitraten auszeichnen. Neben den Pflanzen spielen Bakterien, die sich natürlich in den Behältern ansiedeln, eine wichtige Rolle beim Nitratabbau.

Das mit dem Wasser in die Klärbecken eingeleitete Nitrat wird durch die Pflanzen und Bakterien in dem System also ganz natürlich abgebaut. Dabei gilt: Je älter eine Anlage ist, desto mehr Pflanzenwurzelmasse hat sich gebildet und desto stärker ist die Reinigungskraft der Anlage.

Wenn die Messwerte nach einigen Wochen oder Monaten noch nicht den gewünschten Reinigungseffekt anzeigen, lohnt sich der weitere Betrieb der Anlage. Denn mit dem Wachstum der Pflanzen steigt ihre Leistungsfähigkeit und die gewünschten Messwerte könnten im folgenden Jahr erreicht werden.

Die Leistungsfähigkeit einer Anlage lässt sich auch durch die Erweiterung um ein oder mehrere Klärbecken steigern. Bei der einfachsten Variante der Kläranlage wird das Wasser aus einer landwirtschaftlichen Fläche durch eine Abfolge von drei Klärbecken geführt. Davon sind zwei Becken mit Repositionspflanzen bestückt, das dritte Becken dient als Sammelbehälter für ausgeflocktes Eisen.

Die Feldkläranlage ist so variabel, dass sie in jedes Gerinnebett eines aus landwirtschaftlichen Flächen ablaufenden Fließgewässers eingebracht werden kann. Von landwirtschaftlich genutzten Flächen würde nach Einbau der Anlage kein Wasser mehr ungeklärt in die Ökosysteme von Flüssen und Seen eindringen. Dabei kann das System aus Klärbecken nach dem Modulprinzip beliebig den örtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen angepasst werden.

Der Einbau der Kläranlage erfolgt unter Einhaltung des natürlichen Gefälles im Gelände. Es muss also nicht mit Pumpen oder anderen technischen Hilfsmitteln gearbeitet werden. Da keine Energie zum Betrieb der Anlage nötig ist, kann sie praktisch überall eingesetzt werden.

Die Anlage ist weitgehend pflegefrei. Lediglich die Ockerfallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden.

Im Rahmen der Vorstellung der patentierten Feldkläranlage gab der Projektingenieur Hydrochemie, Landwirtschaft & Boden, Sascha Kochendörfer, vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) einen Überblick über das EU-Projekt NuReDrain. Die Abkürzung steht für Nutrients Removal and Recovery from Drainage Water und bezeichnet ein Europäisches Vorhaben, bei dem es um die Entfernung und Rückgewinnung von Nährstoffen aus landwirtschaftlichen Drainagegewässern geht. Am Fallbeispiel Lethe erläuterte er, welchen Belastungen das Gewässer in seinem Verlauf durch die Einleitung von Drainagewassern ausgesetzt ist.

Für dieses überregionale Projekt in der Nordseeregion könnte die Erfindung der Feldkläranlage einen wichtigen Baustein bei der Suche nach Lösungen für die Behandlung von Nährstoffen aus der Landwirtschaft sein. Gemeinsam mit dem OOWV wird deshalb noch im Frühjahr eine Feldkläranlage im Bereich der Lethe eingesetzt. Dabei werden regelmäßige Messungen dokumentieren, welche Wirkung die Anlage über einen längeren Zeitraum hat und wie sich die Einleitung von belastetem Wasser in das Fließgewässer entwickelt.

Wir werden weiter über den praktischen Einsatz der Anlage berichten.

Interessenten können sich wenden an: Werner Reumann, Tel. 0170-9051759, E-Mail: wartung@w-reumann.de

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