DAFV fordert ein europäisches Kormoranmanagement

Zum Schutz gefährdeter Fischarten wurden im Rahmen einer Konferenz der European Anglers Alliance (EAA), im Europäischen Parlament in Brüssel erneut mögliche Lösungswege zur Regulierung der europäischen Kormoranpopulationen vorgestellt und diskutiert.

Aus der Reihe der Beiträge kristallisierte sich dabei ein wachsender Konsens heraus, dass ein europaweiter Managementplan erforderlich ist, um das Problem der Gefährdung bedrohter Fischarten und der Artenvielfalt durch die ausufernden Kormoranbestände anzugehen.

Die Veranstaltung mit dem Titel "Kormoran: Management über Grenzen hinweg" fand unter dem Vorsitz der beiden christdemokratischen Europaabgeordneten Annie Schreijer-Pierik und MEP Werner Kuhn statt und wurde vom Interparlamentarischen Forum für Angelfischerei im Europaparlament organisiert.

Die Population der Kormorane hat in Europa seit den 80er Jahren stark zugenommen. Der Appetit der Vögel auf Fisch stellt vielerorts ein Problem für gefährdete Fischpopulationen dar, bedroht mitunter ihre Bestände und seine Biodiversität. Gemanagt werden Kormorane in der Regel auf lokaler Ebene, oft über Vergrämung, Auskühlen der Gelege oder über Abschüsse. Bei Betrachtung der Gesamtpopulation zeigen die lokal sporadischen Maßnahmen kaum Wirkung. Das Problem wird verlagert oder die Anzahl nachrückender Vögel übersteigt die Möglichkeiten.

Dr. Niels Jepsen, Senior Researcher am Nationalen Institut für aquatische Ressourcen Dänemarks (DTU Aqua), lieferte in seinem Vortrag Fakten über Kormoran-Prädationseffekte auf Wildfischpopulationen und stellte die Auswirkungen auf die Fischerei und die Artenvielfalt dar. „In Dänemark wird es zunehmend schwieriger, den Verpflichtungen der Wasserrahmenrichtlinie nachzukommen, da die Forderung nach gesunden Fischpopulationen nicht mehr erfüllt werden können“, so Jepsen. Er lieferte auch Beweise dafür, dass die Kormorane in den nordischen Ländern den Fischbestand entlang der Küsten und im Süßwasser negativen Einfluss genommen haben - mit dokumentierten Auswirkungen auf Aalmutter, Kabeljau, Flundern, Aal, Lachs und Äsche.

Olaf Linder vom Deutschen Angelfischerverband e.V. (EAA-Mitglied) und Markus Lundgren von SportFiskarna (EAA-Mitglied) unterstrichen in ihren Vorträgen die Notwendigkeit, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Schutz von Fisch, Vögeln, Biodiversität und Fischerei zu gewährleisten. „Wir müssen aus dem Ping-Pong der Verantwortungszuweisung endlich raus. Wir haben es hier mit einem gesamteuropäischen Problem zu tun. Hier muss die Kommission endlich handeln“, so Lindner in seinem Vortrag. Schwache Fischbestände und bedrohte Fischarten müssen besser geschützt werden. Daher fordern die EAA und die EFTTA die Entwicklung eines gesamteuropäischen Managementplans - wie es das Europäische Parlament vor zehn Jahren selbst getan hat.Werner Kuhn (MEP, CDU) moderierte die Veranstaltung und wies mehrfach auf die Bedeutung eines Lösungsansatzes hin. „This is an emergency! We need to come with solutions“ (Dies ist ein Notfall! Wir müssen Lösungen finden), appellierte Kuhn an die Anwesenden.Die Sitzung wurde durch eine lebhafte Debatte abgeschlossen, an der MEPs, Vertreter der Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission, Umweltorganisationen, der Verband europäischer Aquakulturproduzenten (FEAP) und der Europäische Verband für Jagd und Naturschutz (FACE) beteiligt waren.Da sich die Vertreter der EU-Kommission in der Vergangenheit wenig bereit zeigten etwas an der bestehenden Situation und dem Schutzstatus des Kormorans auf EU-Ebene zu ändern, wollen EAA, DAFV und weitere Fischerei- und Umweltorganisationen nun direkt an die Mitgliedsstaaten und den Ministerrat der EU (European Council) herantreten, um Bewegung in das Thema zu bringen. Auch das bundesdeutsche Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hält ein EU-weites Vorgehen für sinnvoll und wird weiterhin dafür eintreten, dass entsprechende Initiativen ergriffen werden.Neben Vertretern aus den Mitgliedsverbänden des DAFV, konnte auch der Vorsitzende der deutschen Kormorankommission, Stefan Jäger einen Eindruck der politischen Arbeit in der EU gewinnen und sich im Nachgang mit politischen Vertretern austauschen.

Olaf Lindner, DAFV

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