Besichtigung der Teichwirtschaft Ahlhorn für Jugendliche und Jugendwarte

Eine kleine Gruppe von interessierten Teilnehmern traf sich am 2. Juni 2018 auf dem Gelände der Teichwirtschaft Ahlhorn zur Besichtigung der Anlage und konnte vom Landesverbandsjugendleiter Torsten Kampf begrüßt werden. Der Leiter der Teichwirtschaft, Fischwirtschaftsmeister Friedrich von Heydebrand, erklärte uns zunächst bei einem Becher Kaffee an einer Übersichtskarte anschaulich die geschichtliche Entstehung der Ahlhorner Fischteiche und den Werdegang der Teichwirtschaft bis zum heutigen Tage.

Vor über 100 Jahren wurde der Grundstein der Teichwirtschaft gelegt, um die Bevölkerung in den umliegenden Gebieten mit eiweißreicher Nahrung zu versorgen. Durch Tagelöhner aus der Umgebung wurde1906 per Muskelkraft der Grundstock gelegt und mit dem Bau der Teichanlage und dem Grabensystem begonnen. In den 1930er Jahren waren es 54 Teiche mit einer Wasserfläche von 200 Hektar. Heute werden etwa 35 Teiche auf einer Fläche von 120 ha bewirtschaftet. Die Lethe versorgt das Teich- und Grabensystem noch immer mit dem erforderlichen Frischwasser. Die Aufforstung des Gebietes begann bereits um 1870. Zusammen mit den umliegenden Waldgebieten gehört die Fischwirtschaft zu den Niedersächsischen Landesforsten. Das Gebiet steht unter Naturschutz und wurde zum FFH-Gebiet erklärt. Eisvögel, Fischadler und seltene Amphibien können hier beobachtet werden. Auch kommen zahlreiche seltene und geschützte Pflanzenarten vor.

Heute wird die Teichwirtschaft vornehmlich zur Aufzucht von gesunden, vitalen und widerstandsfähigen Besatzfischen sowie von Speisefischen betrieben.

Neben Hechten und Zandern sowie als Beifische Rotaugen etc. werden vorrangig Schuppen- und Spiegelkarpfen in den unterschiedlichen Teichen aufgezogen.

Regenbogen- und Bachforellen werden nach Verlassen des Bruthauses in zwei Fließkanälen, gespeist mit Frischwasser aus der Lethe, aufgezogen.

Unter anderem zählen Fischerei- und Angelvereine, Hobbyteichwirte, Kleinabnehmer sowie Teichwirtschaften aus anderen Regionen zu den Abnehmern der Besatzfische. Ein beachtlicher Teil der Speisefische wird über den dazugehörigen Hofladen vermarktet. Hier wird frisch geschlachteter Frischfisch sowie aus der eigenen Räucherei frisch geräucherter Fisch verkauft.

Es folgte der Rundgang mit den dazugehörigen ausführlichen Erklärungen durch die diversen Gebäude mit den Stationen Fischhälterhalle, Schlachthaus, Räucherei. Beim Rundgang an den unterschiedlich großen Teichen lernten wir die zahlreichen Stadien des Aufwachsens z.B. der Karpfen kennen, und Herr Heydebrand erklärte uns, in welcher Zeit die Karpfen abwachsen und an Gewicht und Größe zunehmen. Gegen „Fressfeinde“ jeglicher Art aus der Luft wurden einige Teiche komplett mit Schnüren eng überspannt. Futterautomaten sorgen für eine gleichmäßige und regelmäßige Fütterung. Hinweisschilder in mehren Sprachen deuten auf ein Angelverbot an den Teichen hin. Eine Maßnahme die auch dort durchaus Berechtigung hat!  

In den Dubisch-Teichen (benannt nach Thomas Dubisch Erfinder dieser Karpfenbrutaufzucht aus dem 18.Jahrhundert) werden die Karpfen zum Ablaichen eingesetzt. Hierbei handelt sich um kleine, flache und sehr stark bewachsene Teiche mit einer Wassertemperatur von ca. 25 Grad. Ideale Bedingungen zum Ablaichen. Besetzt mit 5 weiblichen und 8 männlichen Elterntieren pro Teich werden sehr schnell die Karpfeneier abgelegt und befruchtet. Wir konnten in einem Kunststoffgefäß unzählige Brütlinge in einem Stadium von ca. 2-3 Wochen betrachten. Vorbei an kleinen und größeren Teichen und vielen Erklärungen und Beantwortung aller Fragen erreichten wir die Fließkanäle in denen die Forellen aufgezogen werden. Rotierende Schaufelräder bringen zusätzlich Sauerstoff in das Fließgewässer. Einige wenige handvoll Futter zeigte, welch Leben in diesen Fließkanälen steckt.

Der Rundgang fand auf dem Hofgelände seinen Abschluss. Mit einem großen Dankeschön für diese umfangreiche und sehr lehrreiche Exkursion um einen kleinen Teil der Teichwirtschaft überreichte Torsten Kampf ein Messer als Erinnerungsgabe an Herrn Heydebrand. Es ist schon beachtlich, welche manuelle Arbeit in der Bewirtschaftung, Pflege und Instandhaltung der Anlage steckt. Man merkt aber auch in seinen Erzählungen, dass Herr Heydebrand seinen Beruf mit Leib und Seele ausübt.

Gerold Martin

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