Bach im Fluss: Projektbesichtigung im Weser-Ems-Gebiet

2018 findet zum fünften Mal der Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss“ statt. Wie in den Jahren zuvor, sind das Umweltministerium sowie die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände Träger des Wettbewerbs, mit dem die vielen kleinen und großen Maßnahmen gewürdigt werden sollen, die hauptamtlich oder ehrenamtlich in den letzten Jahren an den Gewässern in Niedersachsen umgesetzt wurden.

Umweltminister Olaf Lies zu der Veranstaltung: „Niedersachsen ist ein Wasserland, Bäche und Flüsse sind das ökologische Rückgrat unserer Landschaft. Wir wollen allen haupt- und ehrenamtlich Tätigen, die mit ihrem Wirken zur Verbesserung der Gewässer beitragen, die Möglichkeit bieten, mit ihren vielfältigen Projekten am Wettbewerb teilzunehmen. Mit dem Wettbewerb können gute Ideen, Kooperationen und innovative Lösungsansätze verbreitet und neue Maßnahmen zur Gewässerentwicklung initiiert werden, die den Schutz und die Verbesserung unserer Gewässer vorsehen.“

Nach Sichtung der Wettbewerbsbeiträge bereiste Ende August eine 7-köpfige Fachjury ausgewählte 12 Gewässer in Niedersachsen, die von den Projektträgern für den Wettbewerb gemeldet wurden, um sich vor Ort ein Bild von dem Geleisteten zu machen. Aus dem Bereich des LFV Weser-Ems standen vier Gewässerprojekte zur Besichtigung, die für den Wettbewerb vorgeschlagen wurden.

  1. Mersbach bei Haren an der Ems

Seit Januar 2017 fanden die Arbeiten zur Anlage eines Stillgewässers für den Mersbach statt. Mit der Maßnahme wurde im Mündungsbereich des Mersbachs nördlich der Stadt Haren an der Ems ein naturnahes Seitengewässer erstellt. Das neu angelegte Gewässer hat eine Verbindung zum Mersbach erhalten, so dass es die Funktion eines Auengewässers erfüllt. Es wird damit den aquatischen Organismen als wichtiger Lebensraum zur Verfügung stehen. Besonders in Hochwasserphasen sowie im zeitigen Frühjahr wird das Gewässer einen wichtigen Rückzugsraum mit geeigneten Habitatstrukturen für die aquatische Fauna bieten.

Der Anschluss an den Mersbach erfolgte über einen etwa 4 bis 5 Meter breiten Graben, der ganzjährig eine Mindestwassertiefe von ca. 0,7 Meter aufweist, um so den freien Wechsel der Organismen zu ermöglichen. Die Ausdehnung des Seitengewässers beträgt etwa 1500 Quadratmeter. Die maximale Wassertiefe liegt bei etwa 1 bis 1,5 Metern. Zu den Uferbereichen läuft das Gewässer flach aus, um den an die Wasserwechselzone angepassten Tieren und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Der anfallende Bodenaushub mit einem Volumen von ca. 1500 Kubikmetern wurde aus dem gesetzlich festgelegten Überschwemmungsgebiet verbracht.

Die biologische Baubegleitung erfolgte durch den Fischereibiologen des Landesfischereiverbandes Weser-Ems. Projektträger ist der SAV Haren/Ems. Zusätzlich zum Sportanglerverein sind als Geldgeber an dem Projekt beteiligt, die Ferdinand-Quirll-Stiftung, die Bingo-Umweltstiftung, die Naturschutzstiftung Landkreis Emsland und erstmals aktiv auch die im vergangenen Jahr gegründete Stiftung Emsländische Gewässerlandschaften.

  1. Seitengewässer der Ems in Emsbüren

In der Gemeinde Emsbüren wurden seit August 2016 auf einer Fläche des Landkreises Emsland Arbeiten zur Schaffung eines naturnahen Seitengewässers der Ems durchgeführt. Das geplante Gewässer hat eine Verbindung zur Ems erhalten, so dass es die Funktion eines Altarms erfüllt und für aquatische Organismen als geeigneten Lebensraum zur Verfügung steht. Besonders in Hochwasserphasen sowie im zeitigen Frühjahr wird dieses Gewässer einen wichtigen Rückzugsraum darstellen und geeignete Habitatstrukturen zur Fortpflanzung bieten.

Die Verbindung zur Ems erfolgt über einen etwa 5 - 8 Meter breiten Graben, der ganzjährig eine Mindestwassertiefe von ca. 1 Meter aufweist, um so den freien Wechsel der Organismen zu ermöglichen. Die Ausdehnung des Seitengewässers beträgt etwa 6000 m². Die maximale Wassertiefe liegt bei etwa 2 Meter. Zu den Uferbereichen läuft das Gewässer flach aus. Der anfallende Bodenaushub in Höhe von ca.12000 m³ wurde aus dem Emstal abgefahren und deponiert.

Als Träger der Maßnahme war der SFV Salzbergen 1929 e.V. aktiv. Die Maßnahme wurde gefördert durch die BINGO Umweltstiftung Niedersachsen sowie die             Naturschutzstiftung Emsland. Den Eigenanteil der Kosten trug die Besatz und Befischungsgemeinschaft Ems I mit den Vereinen SAV Emsland Rheine e.V., SFV Flossweg Gronau e.V., FV Lingen 1888 e.V. und SFV Salzbergen 1929 e.V. Die Maßnahme wurde durch den Biologen des Landesfischereiverbandes Weser-Ems fachlich begleitet.

Altgewässer haben für die Flora und Fauna eine vielfältige Bedeutung und stellen daher einen wichtigen Lebensraum dar. Die Entstehung derartiger Strukturen erfolgt im Rahmen der natürlichen Flussdynamik. Aufgrund vielfältiger Nutzungen unserer Landschaft wurde die natürliche Flussdynamik unterbunden, so dass keine Altarme mehr entstehen. In Folge natürlicher Sukzession verlieren die noch vorhandenen Altarme insbesondere für die aquatischen Organismen immer mehr an Bedeutung. Umso wichtiger ist die Schaffung derartiger Strukturen.

  1. Der Beckstedter Bach bei Colnrade

Anfang August 2017 begannen die Renaturierungsarbeiten am Beckstedter Bach in der Gemeinde Colnrade. Der Beckstedter Bach ist ein rechtsseitiger Zufluss zur Hunte mit einem Einzugsgebiet von kaum 10 Quadratkilometern. Im Mündungsbereich zur Hunte ist der Bach ausgebaut und zeigt einen geradlinigen, strukturarmen Verlauf bei einer Sohlbreite von 1 bis 2 Metern. In die Maßnahme wurden die unteren 500 Meter des Bachs einbezogen. Mit seinem neuen Verlauf wird diese Bachstrecke auf etwa 750 Meter verlängert.

Ziel der Renaturierungsmaßnahme war es, eine naturraumtypische Bachstruktur zu schaffen mit den verschiedenen Elementen eines naturbelassenen Bachlaufs und der typischen Auenstruktur. Dafür wurde der begradigte Gewässerabschnitt in Teilbereichen durch einen neuen, naturnahen Verlauf ersetzt. Zusätzlich wurden Altarmstrukturen geschaffen, wie sie ähnlich einmal vorhanden waren, durch den Ausbau des Bachs und der Hunte aber verloren gegangen sind.

Für die Umsetzung der Maßnahme hat man das Gewässer in Teilabschnitten aus seinem derzeitigen Bett in einen neuen, naturnahen Verlauf verlegt. Dafür wurde der anstehende Oberboden auf einer Breite von 10 bis 15 Metern abgetragen. Danach erfolgte die Profilierung des neuen Gewässerverlaufs. Dabei wurde durch den gezielten Einbau von Strukturelementen wie Totholz und Kies sowie die Anpflanzung von Gewässer begleitenden Gehölzen wie Schwarzerlen ein reichhaltig strukturierter Gewässerabschnitt geschaffen. Die dadurch erfolgende Aufwertung des Lebensraumes wird vor allem anadromen Wanderfischen wie Neunaugen und Wandersalmoniden sowie auch Kleinfischen sehr entgegen kommen.

Die Maßnahme wurde zu einem wesentlichen Teil von der Bingo-Umweltstiftung finanziert. An der Finanzierung hat sich außerdem der Landkreis Oldenburg beteiligt, der sich zudem maßgeblich für die Flächenbereitstellung eingesetzt hat. Weiterhin haben die Ferdinand-Quirll-Stiftung sowie der Fischereiverein Colnrade, der zugleich Träger des Projektes ist, zur Finanzierung der Renaturierungsmaßnahme beigetragen. Die biologische und planerische Begleitung des Projekts erfolgte durch den Landesfischereiverband Weser-Ems.

  1. Der Altonaer Mühlenbach bei und in Wildeshausen

In einem gemeinsamen Projekt setzen sich der Fischereiverein Wildeshausen und die Hunte-Wasseracht seit 2015 für die Revitalisierung des Altonaer Mühlenbachs ein. Die dritte Kraft bei der Durchführung des Projektes bildete eine Schul-AG, an der sich Jugendliche der Haupt-, Real- und Hunteschule beteiligen. Sie leisteten zum einen Arbeitseinsatz und bekamen dabei zugleich Anschauungsunterricht in Gewässerökologie.

Der Altonaer Mühlbach hat seine Quelle nordöstlich von Brettorf bei Uhlhorn. Er fließt in südlicher Richtung an Hockensberg vorbei, dann am Gut Altona entlang und mündet nach elf Kilometern in Wildeshausen in die Hunte.

Der Projektname „Gewässerentwicklung und Umweltbildung am Altonaer Mühlbach“ deutet an, dass es sich um eine umfangreiche Maßnahme handelt. Dem in weiten Teilen versandeten Gewässer wurden vielfältige Strukturen zurückgegeben. Dabei wurden Strömungslenker aus Totholz eingebaut, die zu einen gewundenen Verlauf und einer verstärkten Eigendynamik bei der Gewässerentwicklung führen sollen. Die Einbauten erfolgten gezielt so, dass die Erosion an dem Gewässer eingedämmt wird. In Bereichen ohne Hartsubstanz wurden Totholz, Kies und Steine eingebracht. Zur Stabilisierung der Uferbereich wurden entlang der Uferlinie Erlen gepflanzt.

An verschiedenen Stellen des Gewässers wurden Kiesbetten aufgeschüttet, mit denen die Voraussetzung für die Fortpflanzung kieslaichender Arten wie Lachs, Meerforelle und Neunauge geschaffen wurden. Die Renaturierungsmaßnahmen sowie Besatzmaßnahmen tragen bereits Früchte. Zuvor verschwunden Arten konnten schon wieder auf den Kiesbänken beobachtet werden.

Die Verleihung der Bachperle als Auszeichnung für die gelungensten Renaturierungsmaßnahmen findet am 15. Oktober in Hannover statt. Wir werden dann über die Gewinner berichten.

 

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