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Ostasiatische Schlammpeitzger im Emsland

31.01.2026

Zehn Barteln, ein zylindrischer, langgestreckter Körper, tagsüber lebt er eingegraben im Sand oder Schlamm: Der Ostasiatische Schlammpeitzger (Misgurnus anguillicaudatus) ist mittlerweile eine der häufigsten Fischarten in vielen Nebengewässern der Ems und Hase. Dabei ist er ein Neozoon, das heißt, eine direkt oder indirekt über menschliche Aktivitäten eingeführte Tierart.          
Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet in den gemäßigten Zonen Ostasiens erstreckt sich jedoch von Südsibirien bis in den Norden Vietnams, Japan und Korea einbindend. In unsere Gewässer ist er entweder bewusst durch Aussetzen von Exemplaren aus Teichen und Aquarien gekommen oder aber unbewusst, als Teiche im Überflutungsgebiet der Flüsse bei Hochwasser überschwemmt wurden. Maximal erreicht er eine Länge von 30 Zentimeter. Bei unseren Befischungen haben wir bisher Exemplare bis ca. 22 Zentimeter fangen können.

In Niedersachsen wurde die Art erstmals 2005 in der Ems bei Salzbergen nachgewiesen, 2014 und 2016 erfolgten erste Nachweise im Bereich der Unteren Hase. In 65 Prozent der von der Fischereibiologischen Station Ems-Hase (FEH) kartierten Gewässern konnten wir ein Vorkommen des Ostasiatischen Schlammpeitzgers nachgewiesen – oft war er sogar eine der häufigsten Fischarten. Der Ostasiatische Schlammpeitzger ist zudem seit der Aktualisierung im Juli 2025 auf der Unionsliste der invasiven Arten der Europäischen Union. Die Tiere müssen demnach den Gewässern entnommen werden und sind meldepflichtig.

Die komplexen Auswirkungen der Invasion sind bisher nicht abzuschätzen. Da diese Art den Boden besiedelt, sind negative Effekte dieser Spezies auf bodenbewohnende Wirbellose möglich. Bedingt durch eine hohe Reproduktionsrate und ihre omnivore Ernährung (Allesfresser), kann es - besonders bei hohen Bestandsdichten - zu negativen Auswirkungen auf bodenbewohnende Wirbellose (unter anderem Insektenlarven) kommen.
Eine weitere typische Folge, die die Invasion dieser Art verursachen könnte, ist die Konkurrenz mit heimischen Fischarten um Lebensraum und Nahrung, aber auch miteingeschleppte Krankheitserreger wie Viren oder Parasiten können ein Problem darstellen. Heimische Arten haben dann oft keine oder eine nicht angemessene, Immunantwort auf diese neuartigen Krankheiten.

Bei unseren heimischen Arten ist ein negativer Einfluss des Ostasiatischen Schlammpeitzgers auf andere Schmerlenartige wie die Bachschmerle und den Steinbeißer denkbar. Noch größer könnte der Einfluss jedoch auf den heimischen Europäischen Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) sein. Dieser gilt in Niedersachsen als stark gefährdet. Beide Schlammpeitzgerarten sind Fische der Extreme und haben eine ähnliche Lebensweise. Eine potentielle Konkurrenz zwischen den beiden Arten um Lebensraum und Nahrung ist daher sehr wahrscheinlich.

Ähnlich wie der Europäische Schlammpeitzger kommt auch der Ostasiatische Schlammpeitzger mit geringen Sauerstoffkonzentrationen im Wasser aus. Durch die Möglichkeit zur akzessorischen Darmatmung kann Luft an der Wasseroberfläche geschluckt und der darin enthaltene Sauerstoff über feine Blutgefäße im Enddarm aufgenommen werden. So können selbst sauerstofffreie Perioden überbrückt werden.

Weiterhin wird vom Ostasiatischen Schlammpeitzger eine sehr breite Temperaturspanne toleriert: Ein Überleben bei Temperaturen von 2 bis 38 Grad ist möglich. Selbst temporäres Einfrieren kann die Art überleben. Der Ostasiatische Schlammpeitzger ist sogar in der Lage, sich asexuell fortzupflanzen. Hierbei legt das Weibchen Eier ab, die einen doppelten Chromosomensatz aufweisen und nicht befruchtet werden müssen.

Unter natürlichen Bedingungen wurde zudem gezeigt, dass sich verschiedene Arten derselben Gattung (Misgurnus, aber auch Paramisgurnus) miteinander fortpflanzen können. Dabei entstehen Hybride; sind diese dann noch fortpflanzungsfähig, geht die ursprüngliche Genetik des Europäischen Schlammpeitzgers verloren. Auch von einer Möglichkeit der Hybridisierung mit dem streng geschützten Steinbeißer (Cobitis taenia) ist in Fachliteratur zu lesen.

Häufig kommt es zur Verwechslung zwischen dem heimischen Europäischen Schlammpeitzger und dem gebietsfremden Ostasiatischen Schlammpeitzger. Eine einfache Merkhilfe kann bei der Unterscheidung der beiden Arten helfen: Beim Europäischen Schlammpeitzger verlaufen deutliche, vertikale Linien, parallel zur Seitenlinie, vom Kiemendeckel bis zur Schwanzwurzel. Das Muster erinnert an einen Barcode. Der Ostasiatische Schlammpeitzger hingegen weist ein unregelmäßigeres, gepunktetes Muster auf, welches eher an einen QR-Code erinnert. In ihrer Färbung können beide Fischarten sehr variabel sein.

Verglichen mit dem Europäischen Schlammpeitzger scheint der Ostasiatische Schlammpeitzger mit vom Menschen veränderten bzw. beeinflussten Gewässern besser klarzukommen. Unserer Ansicht nach liegt dies daran, dass die hiesigen Gräben und anderen Nebengewässer häufig zu wenig Wasserpflanzen und nur saisonal genug Schlamm enthalten, die unser heimischer Schlammpeitzger zum Überleben braucht.

Wir von der Fischereibiologischen Station Ems-Hase werden die Entwicklung der Bestände dieser invasiven Fischart auch in Zukunft weiterhin engmaschig überwachen.

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