ANGELFISCHERVERBAND IM
LANDESFISCHEREIVERBAND WESER-EMS E.V.

Steinbeißer im Emsland

06.03.2026

Der Steinbeißer (Cobitis taenia), auch Dorngrundel genannt, ist eine schmerlenartige Fischart, die in sommerwarmen Binnengewässern des Tieflands vorkommt. Sein deutscher Name ist identisch mit dem Salzwasserfisch Steinbeißer/Seewolf (Anarhichas lupus). Zwischen beiden Arten besteht aber trotz der gemeinsamen aalförmigen Form und desselben Namens keine nähere verwandtschaftliche Beziehung.       
Historisch beschränkte sich das Vorkommen in Niedersachsen auf die Gewässersysteme Ems, Weser und Elbe und ihre Nebengewässer. Ein beweglicher, zweispitziger Dorn unter dem Auge brachte dem Steinbeißer auch den alternativen Namen „Dorngrundel“ ein, mit den Grundeln (Gobiidae) ist er jedoch nicht näher verwandt. Der Steinbeißer besitzt sechs kurze Barteln, die in Richtung des Gewässergrunds ausgerichtet sind. Schmerlenartige sind als meist bodenbewohnende Fische an das Leben auf oder sogar in der Gewässersohle angepasst. Maximal werden eine Gesamtlänge von 14 Zentimeter sowie ein Alter von 5 Jahren erreicht.

Der Steinbeißer besiedelt bevorzugt lockere, frischsedimentierte Sande in langsam strömenden Gewässern, in welche er sich bis zum Kopf eingräbt. Auch mäßig ausgeprägte Schlammauflagen werden von ihm toleriert, während gröbere Substrate wie Steine und Kiese gemieden werden. Zur Eiablage benötigt der Steinbeißer eine dichte Wasserpflanzenvegetation.    
Die Barteln geben einen Hinweis auf die Nahrungsquelle des Steinbeißers: Im Sediment lebende Wirbellose wie Würmer oder Insektenlarven werden von ihm überwiegend in der Dämmerung und Nacht ertastet und erbeutet. Der Mechanismus der Nahrungsaufnahme bedingte auch seinen Namen: Das gesamte Bodenmaterial wird ins Maul eingesaugt und durchkaut. Unverdauliches wird über die Kiemen wieder ausgeschieden.
Da der Steinbeißer relativ tolerant gegenüber Beeinträchtigungen der Wasserqualität ist, erträgt er auch organische Belastungen durch Nährstoffeintrag. Selbst sauerstofffreie Perioden können durch akzessorische Darmatmung überbrückt werden. Dabei wird an der Wasseroberfläche Luft verschluckt, in den Enddarm geleitet und dort über Blutgefäße aufgenommen.

Der Steinbeißer ist als FFH-Art europaweit besonders geschützt. Auf der Roten Liste der Süßwasserfische, Rundmäuler und Krebse Niedersachsens befindet er sich auf der Vorwarnliste. Die Kategorie Vorwarnliste beinhaltet jene „Arten, die merklich zurückgegangen, aber noch nicht gefährdet sind“.

Historisch besiedelte der Steinbeißer im Emsland sowohl Auenstrukturen als auch den Hauptstrom der Ems und Hase. Hier wurden Bereiche besiedelt, in denen regelmäßig Sande sedimentierten und erodierten. Neben Innenkurven ist dies z.B. auch in Nebengerinnen der Fall. Durch den Ausbau der Gewässer im 20. Jahrhundert ging ein Großteil von Auenflächen und natürlicher Fließgewässerdynamik verloren. Insgesamt verzeichnet der Steinbeißer in Niedersachsen einen negativen langfristigen Bestandstrend.
In unserer Betreuungskulisse finden wir noch in vielen Nebengewässern der Ems und Hase Steinbeißer. Auch Entwässerungsgräben mit sandigen Abschnitten und ausreichend Wasserpflanzen werden häufig besiedelt.   
Ein Gewässer mit einer besonders hohen Steinbeißerdichte befindet sich zwischen Haren (Ems) und Meppen: Der Hünteler Bach mündet östlich von Wesuwe in die Ems. Auf einer Strecke von 500 Metern wurden hier 339 Steinbeißer nachgewiesen. Nach einem Bewertungssystem zum Erhaltungszustand des Steinbeißers (BfN 2009) ist die Bestandsgröße des Steinbeißers im untersuchten Abschnitt hervorragend (ca. 6780 Individuen pro Hektar).       

Im Emsland gibt es noch viele geeignete Steinbeißergewässer. Gerade Entwässerungsgräben bieten ihnen einen exzellenten Sekundärlebensraum. Ziel bei der Entwicklung der Steinbeißerbestände ist es, die Unterhaltung von genau diesen Sekundärlebensräumen anzupassen. Gewässerrandstreifen können dabei den Nährstoffeintrag in das Gewässer puffern. Weiterhin sollte eine schonendere Sohlräumung angestrebt werden. Wo es möglich ist, ist eine Stromlinienmahd oder eine einseitige Böschungsmahd eine sinnvolle Alternative zur konventionellen Sohlräumung und Sohlentkrautung. Abseits der Gräben wäre die Anlage von Nebengerinnen sinnvoll. Dies würde die Steinbeißerbestände weiterhin fördern und darüber hinaus einer Vielzahl an Land- und Wasserorganismen wichtige Lebensräume zurückgeben.

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